Von Makro bis On-Chain: So entsteht der Bitcoin-Preis Bitcoin lässt sich nicht wie ein klassischer Vermögenswert bewerten. Doch welche Faktoren treiben den Preis wirklich und wie lässt sich der faire Wert von Bitcoin ermitteln? Warum klassische Bewertungsmethoden versagenDie Bestimmung des fairen Bitcoin‑Werts stellt Anleger immer wieder vor Herausforderungen. Im Gegensatz zu traditionellen Finanzinstrumenten wie Aktien oder Anleihen fehlen bei Bitcoin klassische Bewertungsgrundlagen wie Cashflows, Dividenden oder Zinszahlungen.Das heisst: Es existieren keine etablierten Kennzahlen wie das Kurs‑Gewinn‑Verhältnis (KGV), die sich für eine fundamentale Bewertung heranziehen lassen. Bitcoin ist ein nicht ertragsgenerierendes Asset und entzieht sich damit den Methoden, mit denen Ökonomen den «wahren Wert» eines Vermögenswertes bestimmen.Gold als Vergleich? Nur bedingt hilfreichOft wird Bitcoin als «digitales Gold» bezeichnet, weil auch hier ein knappes Angebot besteht – mit einer fixen Obergrenze von 21 Millionen Coins sogar absolut begrenzt. Es liegt also nahe, dass sich die Preisentwicklung von Bitcoin ähnlich wie jene von Gold erklären lassen sollte. Die Daten zeigen jedoch ein anderes Bild: Die Korrelation zwischen Bitcoin und Gold ist über längere Zeiträume schwach.ZeitraumBitcoin-Gold-Korrelation1. Januar 2014 bis 1. Oktober 20250,0881. Januar 2018 bis 1. Oktober 20250,1551. Januar 2021 bis 1. Oktober 20250,087Quelle: Maerki Baumann, eigene BerechnungenAuch Regressionsanalysen bestätigen, dass Bitcoin nur schwach auf klassische makroökonomische Einflussgrössen wie Realzinsen oder den US‑Dollar‑Index (DXY) reagiert.AssetRealzinsenDXYBitcoin R² für 2021 bis 1. Oktober 20250,0730,007Bitcoin R² für 2018 bis 1. Oktober 20250,0390,013Bitcoin R² für 2014 bis 1. Oktober 20250,0170,005Gold R² für 2021 bis 1. Oktober 20250,0930,180Gold R² für 2018 bis 1. Oktober 20250,0840,233Gold R² für 2014 bis 1. Oktober 20250,1000,245Quelle: Maerki Baumann, eigene BerechnungenDiese Zahlen zeigen: Modelle wie das Stock‑to‑Flow‑Modell (S2F), der US‑Dollar‑Index (DXY) oder die globale Geldmenge (M2) mögen in das Bitcoin‑Narrativ passen, bestehen aber keiner robusten quantitativen Überprüfung. Für eine seriöse Preisbestimmung sind sie daher nicht geeignet.Bitcoin als «Risk‑On»‑AssetTappen wir also im Dunkeln? Nicht ganz. Die Daten zeigen eine deutliche Korrelation zwischen Bitcoin und Aktienindizes wie dem Nasdaq oder dem S&P 500 und noch stärker mit wachstumsorientierten Small-Cap-Aktien wie dem Russell-2000-Index. Bitcoin verhält sich somit wie ein klassischer «Risk‑On»‑Vermögenswert: In Phasen hoher Marktliquidität und steigender Risikobereitschaft performt er überdurchschnittlich. Für Anleger bedeutet das: Ein Exposure zu Bitcoin ist vor allem dann interessant, wenn sich die Finanzmärkte in einem risikofreudigen Umfeld befinden.ZeitraumBitcoin-Nasdaq-KorrelationBitcoin-Russell-2000-Korrelation1. Januar 2014 bis 1. Oktober 20250,1690,1931. Januar 2018 bis 1. Oktober 20250,2150,2571. Januar 2021 bis 1. Oktober 20250,3180,395Quelle: Maerki Baumann, eigene BerechnungenMakro‑Analyse: der Blick von obenBevor sich der faire Bitcoin‑Wert einordnen lässt, lohnt sich ein Blick auf die makroökonomischen Rahmenbedingungen. Sie geben Aufschluss über die Investitionsbereitschaft der Marktteilnehmenden. Faktoren, die unter anderem eine Rolle spielen: Befindet sich die globale Liquidität im Auf‑ oder Abwärtstrend?Wie entwickelt sich der Treasury General Account (TGA) – das «Bankkonto» der US‑Regierung?Ist der US‑Dollar aktuell stark oder schwach?Vergibt der Bankensektor vermehrt Kredite oder tritt er auf die Bremse?Wie hoch ist die Volatilität am Anleihenmarkt (MOVE‑Index)?Bleibt das Gewinnwachstum der Unternehmen intakt?Technische Analyse: RSI als verlässlicher FrühindikatorNeben der Makro‑Perspektive bietet die technische Analyse Hinweise auf kurzfristige Bitcoin‑Preisentwicklungen. Ein zentraler Indikator ist der Relative Strength Index (RSI) – ein Momentum‑Indikator, der die Stärke und Geschwindigkeit von Kursbewegungen zeigt. Ein RSI über 70 gilt in der Regel als überkauft, ein RSI unter 30 weist hingegen auf einen Überverkauf hin. Historisch hat sich der RSI bei Bitcoin als hilfreicher Frühindikator erwiesen.Ebenso relevant sind gleitende Durchschnitte wie das 20‑Wochen‑Band (Kombination aus 20‑Wochen‑SMA und 21‑Wochen‑EMA) und der 50‑Wochen‑SMA zur Beurteilung des übergeordneten Trends. SMA und EMA – kurz erklärtSMA (Simple Moving Average): Einfacher gleitender Durchschnitt der letzten x Perioden. Alle Werte zählen gleich stark. Beispiel: Der 20-Wochen-SMA glättet den Mittelfrist-Trend.EMA (Exponential Moving Average): Wie der SMA, aber jüngere Kurse werden stärker gewichtet. Reagiert schneller – ist dafür sensibler.Praxis: Liegt der Kurs über SMA/EMA, spricht das für Rückenwind. Kreuzungen (Kurs oder EMA über/unter SMA) deuten oft auf Trendwechsel hin. Zusammen mit dem RSI lassen sich so Fehlsignale besser filtern. Steigt der 21‑Wochen‑EMA über den 20‑Wochen‑SMA, gilt das historisch als verlässliches Signal für eine zunehmende Aufwärtsdynamik des Bitcoin-Preises. Umgekehrt zeigt die Historie: Fällt der wöchentliche Schlusskurs unter den 50‑Wochen‑SMA, folgten häufig längere Korrekturphasen. Den 50-Wochen-Durchschnitt nutzen Chartanalysten vor allem, um zu beurteilen, ob sich der Bitcoin-Preis weiterhin in einem übergeordneten Aufwärtstrend befindet.Quelle: TradingViewOn‑Chain‑Analyse: Blick in die BlockchainDie On‑Chain‑Analyse legt auf Basis von Blockchain‑Daten die Kostenbasis unterschiedlicher Bitcoin‑Haltergruppen offen. So lassen sich aktuelle Gewinn‑ und Verlustzonen für kurz‑ und langfristige Investoren identifizieren – und das Risiko zusätzlichen Verkaufsdrucks einschätzen.Ein wichtiger Indikator ist die Kostenbasis der Kurzzeithalter (Short‑Term Holder, STH‑Cost‑Basis). Sie umfasst alle Bitcoins, die innerhalb von weniger als 150 Tagen bewegt wurden.Betrachtet man die Standardabweichungen dieser STH‑Cost‑Basis nach oben und unten, zeigt sich seit dem Tiefpunkt im November 2022 ein klarer Korridor: Der Bitcoin‑Preis bewegte sich weitgehend zwischen +1σ und −1σ. Das entspricht dem Korridor einer Standardabweichung um den Durchschnitt, in dem grob zwei Drittel der Beobachtungen liegen. Als Investor erhält man dadurch eine gute Orientierungshilfe, an die man sich halten kann, bis dieser Zusammenhang nicht mehr besteht.Quelle: bitview.spaceNachfrage‑Analyse: Wer kauft eigentlich Bitcoin?Wie bei jedem Vermögenswert wird auch der Preis von Bitcoin letztlich durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Auf der Nachfrageseite ist insbesondere entscheidend, welche Käufergruppen den Markt am stärksten prägen. Im aktuellen Zyklus stechen zwei Gruppen hervor: Bitcoin‑Spot‑ETFsBitcoin‑Treasury‑Firmen, die BTC strategisch in ihre Bilanzen aufnehmenDie Analyse der vergangenen Monate zeigt: Der Bitcoin‑Preis tendierte besonders dann nach oben, wenn das tägliche Kaufvolumen dieser institutionellen Akteure die täglich neu geschürften 450 Bitcoins überstieg. Spot-ETFs und Treasury-Firmen fungieren somit als wesentliche Preistreiber im aktuellen Zyklus.Quelle: TradingView Fazit: Der «faire» Bitcoin‑Wert ist dynamischBitcoin funktioniert nach anderen Prinzipien als klassische Vermögenswerte. Eine einfache Bewertungsformel existiert nicht.Der faire Wert entsteht aus einem Zusammenspiel von Akzeptanzzyklen, Liquiditätsströmen, On‑Chain‑Dynamiken und Marktpsychologie. Statt einen fixen fairen Preis zu suchen, gilt es, die Kontextbedingungen zu verstehen, die den Markt in Bewegung setzen.Bitcoin bleibt damit weniger ein Asset mit klar berechenbarem innerem Wert – und mehr ein Reflexionsbarometer des globalen Risikoappetits. Autor: Pascal HügliPascal Hügli, Crypto Investment Manager bei Maerki Baumann und Gründer von Insight DeFi, produziert hochwertige Inhalte zu Bitcoin und Krypto und trägt damit auch zur Entwicklung von Maerki Baumann im Bereich der Blockchain- und Kryptowährungen bei. Als Dozent für digitale Finanzen und Krypto-Assets an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich verfügt er über fundiertes Fachwissen auf diesem Gebiet, das er nun auch für die Etablierung unserer Marke «ARCHIP by Maerki Baumann» einbringt. Wichtige rechtliche HinweiseWICHTIGE RECHTLICHE HINWEISE: Diese Publikation dient ausschliesslich Informations- und Marketingzwecken. Sie stellt keine Anlageberatung oder individuell-konkrete Anlageempfehlung dar. 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