Crypto Market Update

Bleibt Bitcoin robust, obwohl Inflation, Öl und Zinsen wieder mehr Druck machen?

Market Update: Warum Bitcoin zwischen Makrodruck und ETF-Zuflüssen robust bleibt

Market Update: Warum Bitcoin zwischen Makrodruck und ETF-Zuflüssen robust bleibt

Bitcoin zeigt sich auch in dieser Marktphase bemerkenswert stabil. Das ist vor allem deshalb auffällig, weil die jüngsten Makrodaten keine echte Entwarnung geliefert haben. In den USA stieg der Produzentenpreisindex im März um 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 4 Prozent gegenüber Vorjahr. Im Euroraum wurde die finale Inflation für März auf 2,6 Prozent nach oben revidiert. Gleichzeitig blieben die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe mit 207'000 tief. Für die Märkte bedeutet das: Der Inflationsdruck ist nicht verschwunden, und die Notenbanken haben wenig Grund, rasch deutlich lockerer zu werden.

Trotzdem hält sich Bitcoin erstaunlich gut. Aktuell notiert der Kurs bei rund 76'029 US-Dollar. Noch wichtiger ist aber etwas anderes: Die Nachfrage nach börsenkotierten Bitcoin-Produkten bleibt intakt. Laut Glassnode verzeichneten die US-Spot-Bitcoin-ETFs seit dem 14. April Nettozuflüsse von rund 1 Mrd. US-Dollar. Das spricht dafür, dass Rücksetzer derzeit weiterhin absorbiert werden.

Warum die Makrodaten für Bitcoin derzeit so wichtig sind

Der Markt handelt Bitcoin im Moment weniger als isoliertes Krypto-Thema, sondern stärker als makrosensitiven Risiko-Asset. Genau deshalb waren die Daten der vergangenen Woche so relevant. Höhere Produzentenpreise in den USA, eine nach oben revidierte Inflation im Euroraum und gleichzeitig ein robuster US-Arbeitsmarkt sind keine Kombination, die baldige Zinssenkungen wahrscheinlicher macht. Für Bitcoin ist das relevant, weil ein Umfeld mit länger hoch bleibenden Zinsen Liquidität bindet und die Risikobereitschaft begrenzen kann.

Weshalb Bitcoin trotz Iran- und Ölrisiko stabil bleibt

Bemerkenswert ist deshalb nicht nur, dass Bitcoin nicht eingebrochen ist, sondern dass er sich trotz geopolitischer Spannungen weiter über wichtigen Unterstützungszonen hält. Auch an den klassischen Märkten zeigt sich derzeit kein vollständiger Panikmodus. Associated Press News (AP) berichtete am 21. April, dass Brent zwar weiter über 95 US-Dollar pro Barrel lag, die Bewegungen an den Aktienmärkten aber deutlich moderater ausfielen als auf dem Höhepunkt der jüngsten Eskalation. Genau dieses Umfeld ist für Bitcoin entscheidend: Die Nervosität ist da, aber sie schlägt bisher nicht in eine breite Kapitulation um.

Hinzu kommt, dass der Ölmarkt zwar etwas Ruhe gefunden hat, die Energiefrage aber keineswegs vom Tisch ist. International Energy Agency (IEA) betont in ihrem April-Bericht, dass die Lage rund um die Schifffahrt durch die Strasse von Hormus weiterhin der zentrale Faktor für Energiepreise und Konjunktur bleibt. Solange dieser Druck bestehen bleibt, bleibt auch das Risiko bestehen, dass Inflationssorgen jederzeit wieder aufflammen. Für Bitcoin heisst das: robust, aber keineswegs unverwundbar.

Bitcoin-Kursverlauf. Quelle: btc-echo.de

Grafik: Bitcoin-Kursverlauf | Quelle: btc-echo.de

ETF-Zuflüsse geben dem Markt weiterhin Halt

Der wohl wichtigste Stabilitätsfaktor bleibt die institutionelle Nachfrage. CoinShares meldete für die Woche bis zum 13. April Zuflüsse von 1,1 Mrd. US-Dollar in digitale Asset-Produkte, den stärksten Wert seit Januar. 95 Prozent dieser Zuflüsse kamen aus den USA. Bitcoin allein zog 871 Mio. US-Dollar an. Zusätzlichen Rückenwind erhielt der Markt durch die Meldung, dass Strategy weitere 34'164 Bitcoin im Wert von 2,54 Mrd. US-Dollar gekauft hat, was die institutionell geprägte Nachfrage nach Bitcoin zusätzlich unterstreicht. Das ist ein starkes Signal, denn es zeigt ein kontinuierlicher Zufluss an Kapital in die grösste Kryptowährung, selbst wenn das Makroumfeld alles andere als entspannt ist.

Grafik: Nettoflüsse der US-Spot-Bitcoin-ETFs in Mio. USD (April 2026) | Quelle: glassnode

Grafik: Nettoflüsse der US-Spot-Bitcoin-ETFs in Mio. USD (April 2026) | Quelle: glassnode

Gerade dieses Zusammenspiel ist derzeit zentral: Auf der einen Seite bleibt der Zins- und Inflationsdruck bestehen, auf der anderen Seite scheint professionelles Kapital Rückschläge konsequent zu nutzen. Solange diese Nachfrage intakt bleibt, dürfte Bitcoin geopolitische und makroökonomische Belastungsfaktoren besser absorbieren als viele kleinere Krypto-Assets.

Berichtssaison und Qualitätsselektion als nächster Test

Neben Inflation, Zinsen und Energiepreisen schaut der Markt nun auch wieder stärker auf die startende US-Berichtssaison. Laut AP haben bereits rund 10 Prozent der S&P-500-Unternehmen Zahlen vorgelegt, und fast neun von zehn lagen beim Gewinn über den Erwartungen. Sollten sich diese Tendenzen bestätigen, könnte das die allgemeine Risikobereitschaft weiter stützen. Und davon profitiert in der Regel auch Bitcoin.

Innerhalb des Kryptomarkts bleibt die Selektion aber klar. Die Daten von CoinShares zeigen zwar eine Erholung der Risikobereitschaft, gleichzeitig flossen aber auch rund 20 Mio. US-Dollar in Short-Bitcoin-Produkte. Das heisst: Investoren positionieren sich konstruktiv, bleiben aber abgesichert. Genau das passt zum aktuellen Marktbild. Vertrauen ist vorhanden, Euphorie noch nicht.

Fazit

Bitcoin bleibt derzeit vor allem deshalb stabil, weil sich zwei Kräfte gegenüberstehen. Auf der einen Seite sorgen Inflation, Zinsen und Energiepreise weiterhin für makroökonomischen Gegenwind. Auf der anderen Seite bleibt die institutionelle Nachfrage stark genug, um Rücksetzer aufzufangen. Genau daraus ergibt sich das aktuelle Bild: kein sorgloser Bullenmarkt, aber auch keine breite Flucht aus dem Sektor.

Der nächste wichtige Impuls dürfte deshalb weiterhin von aussen kommen. Entscheidend bleibt, ob neue Inflationssorgen, steigende Energiepreise oder überraschend starke Makrodaten die Zinserwartungen erneut nach oben treiben. Solange das nicht eskaliert und die ETF-Zuflüsse positiv bleiben, hat Bitcoin gute Chancen, seine relative Stärke zu behaupten.

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Redaktionsschluss: 21. April 2026

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