Crypto Market Update

Wenn selbst Hardware-Wallets versagen – wie sicher ist Bitcoin wirklich?

Market Update: Wallet-Diebstahl stellt die Selbstverwahrung von Bitcoin infrage

Market Update: Wallet-Diebstahl stellt die Selbstverwahrung von Bitcoin infrage

Ein schwerwiegender Sicherheitsvorfall erschüttert die Bitcoin-Welt: Aufgrund eines Fehlers in der Firmware bei bestimmten Coldcard-Hardware-Wallets konnten Angreifer mehr als 1’500 Bitcoins entwenden. Bitcoin selbst wurde dabei nicht gehackt. Betroffen war die Schlüsselerzeugung auf den verwendeten Geräten.

Der Vorfall macht deutlich, dass selbst etablierte Verwahrungslösungen keine absolute Sicherheit bieten. Gleichzeitig zeigt sich der Bitcoin-Preis bemerkenswert widerstandsfähig: Trotz des Diebstahls, des Bitcoin-Verkaufs durch Strategy und der anhaltenden Unsicherheit rund um den CLARITY Act in den USA notiert Bitcoin weiterhin über 60’000 US-Dollar.

Grafik: Galaxy Research ordnet dem Coldcard-Angriff mit hoher Konfidenz 1’596 entwendete Bitcoin aus rund 7’300 Adressen zu. Einschliesslich unbestätigter Verdachtsfälle könnte sich der Verlust auf rund 2’000 Bitcoin beziehungsweise 130 Millionen US-Dollar erhöhen. | Quelle: Galaxy Research

Grafik: Galaxy Research ordnet dem Coldcard-Angriff mit hoher Konfidenz 1’596 entwendete Bitcoin aus rund 7’300 Adressen zu. Einschliesslich unbestätigter Verdachtsfälle könnte sich der Verlust auf rund 2’000 Bitcoins beziehungsweise 130 Millionen US-Dollar erhöhen. | Quelle: Galaxy Research

Nicht Bitcoin, sondern die Schlüsselerzeugung war betroffen

Hardware-Wallets gelten als besonders sichere Verwahrungslösung für Privatpersonen. Sie erzeugen und schützen die privaten Schlüssel, mit denen sich Bitcoin-Transaktionen autorisieren lassen. Die Bitcoins selbst befinden sich nicht auf dem Gerät, sondern bleiben stets Teil des dezentralen Netzwerks.

Beim aktuellen Vorfall lag die Schwachstelle in der Firmware bestimmter Coldcard-Geräte. Ein Programmierfehler führte dazu, dass die privaten Schlüssel nicht mit der vorgesehenen Zufälligkeit erzeugt wurden. Dadurch konnten Angreifer den möglichen Schlüsselraum eingrenzen, betroffene Schlüssel rekonstruieren und die zugehörigen Bitcoins transferieren.

Es handelt sich somit nicht um einen Angriff auf das Bitcoin-Protokoll. Der Vorfall betrifft eine Anwendung, die den Zugang zum Protokoll verwaltet. Für die Betroffenen ist diese Unterscheidung zwar technisch wichtig, am Verlust der Bitcoins ändert sie jedoch nichts.

Warum Zufälligkeit für Bitcoin entscheidend ist

Ein privater Bitcoin-Schlüssel kann aus 2256 möglichen Kombinationen bestehen. Das entspricht ungefähr 1077 verschiedenen Werten. Zum Vergleich: Die Zahl der Atome auf der Erde wird auf etwa 1050 geschätzt.

Aufgrund dieses riesigen Universums an Möglichkeiten lässt sich ein korrekt erzeugter privater Schlüssel deshalb selbst mit leistungsfähigen Computern in der Praxis nicht erraten. Diese Sicherheit setzt jedoch voraus, dass die verwendete Zufallsquelle genügend Entropie liefert.

Genau hier lag das Problem der betroffenen Geräte. Der Fehler in der Firmware reduzierte die Zahl der tatsächlich möglichen Schlüssel erheblich. Was unter normalen Bedingungen rechnerisch undurchführbar wäre, wurde dadurch für die Angreifer lösbar.

Der Vorfall zeigt den Unterschied zwischen der kryptografischen Sicherheit von Bitcoin und der Sicherheit einzelner Implementierungen. Auch ein robustes Protokoll kann fehlerhaften Code, ungenügend geprüfte Firmware oder Schwächen bei der Schlüsselerzeugung nicht verhindern.

Ein Weckruf für die gesamte Branche

Der Diebstahl ist ein Weckruf für Hersteller von Hardware-Wallets und Anbieter von Anwendungen, die mit dem Bitcoin-Protokoll interagieren. Dass der Vorfall mit der breiten Veröffentlichung des neuen Open-Source-KI-Modells Kimi K3 zusammenfällt, ist zumindest auffällig. Leistungsfähige und frei verfügbare KI-Modelle senken die technischen Hürden für die automatisierte Suche nach Schwachstellen.

Ein direkter kausaler Zusammenhang zwischen Kimi K3 und dem Coldcard-Vorfall ist damit nicht zwingend gegeben. Die Entwicklung unterstreicht jedoch, wie schnell sich die Möglichkeiten von Angreifern weiterentwickeln. Für Entwickler und Anbieter sicherheitskritischer Anwendungen heisst das, dass sie dieselben KI-Modelle nutzen sollten, um ihre Systeme fortlaufend zu prüfen und sicherer zu machen.

Was Nutzerinnen und Nutzer jetzt beachten sollten

Wer Bitcoins selbst verwahrt, sollte das eigene Setup nun erst recht regelmässig überprüfen. Dazu gehören die verwendeten Geräte und Anwendungen, installierte Firmware-Versionen, die sichere Aufbewahrung der Wiederherstellungswörter sowie die Herkunft der eingesetzten Software.

Für eine grössere Summe digitaler Vermögenswerte kann eine institutionelle Verwahrungslösung sinnvoll sein. Entscheidend sind dabei hohe Standards für Schlüsselerzeugung und Entropie, klar getrennte Zugriffsrechte, mehrstufige Freigabeprozesse sowie belastbare Kontroll- und Notfallverfahren. Selbstverwahrung und institutionelle Verwahrung haben unterschiedliche Vor- und Nachteile. Welche Lösung angemessen ist, hängt von den individuellen Anforderungen, Fähigkeiten und Risiken ab.

Bitcoin hält sich trotz negativer Nachrichten

Der Bitcoin-Preis notiert weiterhin über 60’000 US-Dollar und reagiert damit bislang erstaunlich gelassen auf die jüngsten Belastungsfaktoren.

Der Wallet-Diebstahl war nicht die einzige Belastung. Strategy gab am Montag bekannt, in der Vorwoche 1’638 Bitcoins verkauft und damit zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugt zu haben.

Gleichzeitig schwinden die Aussichten auf eine baldige Verabschiedung des CLARITY Act. Das regulatorische Regelwerk soll in den USA klarere Zuständigkeiten und Rahmenbedingungen für den Kryptomarkt schaffen.

Grafik: Entwicklung der Markterwartung zur Verabschiedung des Digital Asset Market CLARITY Act of 2025 (H.R. 3633) bis Ende 2026. Die dargestellte Wahrscheinlichkeit basiert auf den Preisen des Prognosemarkts von Polymarket und stellt keine offizielle Einschätzung dar. | Quelle: Polymarket; Referenz für die Gesetzgebung: Congress.gov.

Grafik: Entwicklung der Markterwartung zur Verabschiedung des Digital Asset Market CLARITY Act of 2025 (H.R. 3633) bis Ende 2026. Die dargestellte Wahrscheinlichkeit basiert auf den Preisen des Prognosemarkts von Polymarket und stellt keine offizielle Einschätzung dar. | Quelle: Polymarket; Referenz für die Gesetzgebung: Congress.gov.

Über die aktuelle Stabilität des Bitcoin-Preises kann nur spekuliert werden. Die Spekulationen lassen jedoch auch eine positivere Interpretation zu. Wenn selbst eine Häufung negativer Nachrichten den Kurs nicht deutlich unter 60’000 US-Dollar drücken kann, könnte dies allgemein darauf hindeuten, dass Bitcoin in der Tendenz eher überverkauft ist.

Fazit

Die Bitcoin-Erholung hat an Substanz gewonnen. Schwächere US-Inflationsdaten, stabilere ETF-Flüsse und eine verbesserte kurzfristige Preisstruktur sprechen für ein konstruktiveres Umfeld. Entscheidend bleibt nun, ob Bitcoin die Zone um 67’000 bis 70’000 US-Dollar nachhaltig durchbrechen und verteidigen kann.

Solange diese Bestätigung fehlt und der Optionsmarkt defensiv bleibt, ist die Erholung noch nicht als neue Momentumphase auszuweisen. Ein nachhaltiger Ausbruch würde das Bild deutlich aufhellen. Ein erneuter Rückfall unter die jüngsten Unterstützungen würde dagegen zeigen, dass die Erholung vorerst fragil bleibt.

Wichtige rechtliche Hinweise

WICHTIGE RECHTLICHE HINWEISE: Diese Publikation dient ausschliesslich Informations- und Marketingzwecken. Sie stellt keine Anlageberatung oder individuell-konkrete Anlageempfehlung dar. Sie ist kein Verkaufsprospekt und enthält weder eine Aufforderung noch ein Angebot oder eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten, Anlagedienstleistungen oder zur Vornahme sonstiger Transaktionen. Maerki Baumann & Co. AG erbringt keine Rechts- oder Steuerberatung und empfiehlt dem Anleger, bezüglich der Eignung von solchen Anlagen eine unabhängige Rechts- oder Steuerberatung einzuholen, da die steuerliche Behandlung von den persönlichen Verhältnissen des Kunden abhängt und stetigen Änderungen unterworfen sein kann. Maerki Baumann & Co. AG ist Inhaberin der Schweizerischen Bankbewilligung, die ihr durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) erteilt wurde. Bitte beachten Sie, dass Maerki Baumann & Co. AG keine Rechts- und Steuerberatung anbietet. Die obenstehenden Informationen dürfen nicht als solche betrachtet werden. Es handelt sich hierbei lediglich um eine initiale Einschätzung ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Korrektheit. Für eine abschliessende und rechtskräftige Beurteilung bitten wir Sie einen Steuerexperten zu kontaktieren. 

Redaktionsschluss: 5. August 2026

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