Crypto Market Update

Warum ist auf der Bitcoin-Blockchain so viel los, obwohl der Preis kaum Dynamik zeigt?

Market Update: Bitcoin stagniert, doch die Blockchain läuft heiss

Market Update: Bitcoin stagniert, doch die Blockchain läuft heiss

Der Bitcoin-Preis bewegt sich seit Wochen ohne klare Dynamik, und auch das Handelsvolumen fällt deutlich geringer aus als noch während der Bullenphase. Auf der Bitcoin-Blockchain selbst zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Die Zahl der täglichen Transaktionen ist stark gestiegen und liegt aktuell nur noch rund 7 Prozent unter dem bisherigen Aktivitätsrekord vom September 2024. Gleichzeitig zeigen die Netzwerkdaten mehr als 860’000 Bitcoin-Transaktionen pro Tag. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Ist das ein Zeichen wachsender realer Nutzung oder doch eher ein technischer Nebeneffekt neuer Protokolle?

Mikrotransaktionen dominieren die Bitcoin-Aktivität

Der auffälligste Treiber der aktuellen Netzwerkaktivität sind sehr kleine Transaktionen. Übertragungen unter 0,01 Bitcoin machen mittlerweile rund 80 Prozent aller täglichen Bitcoin-Transaktionen aus. Im Jahr 2023 lag dieser Anteil noch bei rund 44 Prozent. Bei aktuellen Kursen entspricht 0,01 Bitcoin ungefähr 600 US-Dollar.

Damit steigt die Aktivität zwar deutlich, der Wert der einzelnen Transfers bleibt jedoch meist gering. Der Anstieg wirkt deshalb weniger wertgetrieben als aktivitätsgetrieben: Es gibt mehr Transaktionen, aber nicht zwingend mehr grosse ökonomische Transfers.

Grafik: Anteil der Bitcoin-Transaktionen unter 0,01 BTC im Zeitverlauf | Quelle: CryptoQuant / The Block

Grafik: Anteil der Bitcoin-Transaktionen unter 0,01 BTC im Zeitverlauf | Quelle: CryptoQuant / The Block

Geopolitik kann Nutzung erklären, aber nicht den Haupttrend

Die Spekulationen über die Gründe für diesen Anstieg laufen heiss. Eine Erklärung: Ein Teil der Aktivität könnte durchaus mit regionalen und geopolitischen Faktoren zusammenhängen. Im Iran etwa stiegen nach den jüngsten geopolitischen Spannungen und den US-israelischen Luftangriffen die Kryptoabflüsse von der lokalen Börse Nobitex stark an. Beobachtet wurde ein Anstieg ausgehender Transaktionen um 700 Prozent innert kurzer Zeit.

Solche Ereignisse zeigen, dass Bitcoin und andere Kryptoassets in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen, Währungsstress oder geopolitischer Unsicherheit eine praktische Rolle spielen können. Sie erklären aber nicht den gesamten Anstieg der täglichen Bitcoin-Transaktionen. Die Daten deuten vielmehr darauf hin, dass der aktuelle Boom hauptsächlich durch Protokoll- und Datenaktivität auf der Blockchain entsteht.

Runes, Ordinals und Daten-Inschriften treiben die Nutzung

Über verschiedene Mechanismen, darunter OP_RETURN und Inschriften in Transaktionsdaten, können zusätzliche Daten in Bitcoin-Transaktionen eingebettet werden. Protokolle wie Runes, Ordinals, BRC-20-Anwendungen und Timestamping-Dienste nutzen solche Möglichkeiten intensiv.

Das erzeugt viele kleine Transaktionen, teils mit sehr geringen Beträgen. Genau dieses Muster passt zur aktuellen Datenlage: Auf der Blockchain herrscht reger Betrieb, aber die Aktivität konzentriert sich auf kleine Transaktionsgrössen. Auch der Mempool war zuletzt wieder deutlich voller, wobei die zusätzliche Belastung vor allem aus niedrig bepreisten Transaktionen stammt.

Neutral betrachtet ist höhere Aktivität zunächst positiv. Sie zeigt, dass Marktteilnehmende immer wieder neue Gründe finden, Bitcoin nicht nur als Wertaufbewahrungsmittel, sondern auch als transaktionale Infrastruktur zu nutzen. Gleichzeitig stellt sich aber die Frage, ob die Bitcoin-Basisschicht der richtige Ort für solche Kleinsttransaktionen ist.

Grafik: Bitcoin-Transaktionen pro Tag seit 2023 | Quelle: BitInfoCharts

Grafik: Bitcoin-Transaktionen pro Tag seit 2023 | Quelle: BitInfoCharts

Bitcoin als Fundament, Lightning als Zahlungsebene

Aus ökonomischer Sicht ist die Bitcoin-Basisschicht eher mit einem finalen Settlement-System vergleichbar. Sie ist auf Sicherheit, Dezentralität und endgültige Abwicklung ausgerichtet. Für sehr kleine, schnelle Zahlungen ist dagegen das Lightning-Netzwerk gedacht.

Lightning ermöglicht Bitcoin-Zahlungen ausserhalb der Basisschicht, die schnell und mit sehr niedrigen Gebühren abgewickelt werden können. Im November 2025 überschritt das Lightning-Netzwerk erstmals ein geschätztes monatliches Transaktionsvolumen von mehr als 1 Milliarde US-Dollar. Für diesen Monat wurden rund 1,17 Milliarden US-Dollar über 5,22 Millionen Transaktionen ausgewiesen.

Das zeigt: Die Skalierungsebene ist nicht mehr nur ein technisches Konzept, sondern wird produktiv genutzt. Allerdings verschiebt sich auch dort die Nutzung. Derzeit hängen viele Lightning-Transaktionen mit Börsen und grösseren Transfers zusammen, während frühere Mikrozahlungs-Experimente in Gaming- und Messaging-Anwendungen weniger dominant geworden sind.

Die neusten Monatszahlen zur Lightning-Aktivität sind noch nicht bekannt. Da es sich beim Lightning-Protokoll um ein Netzwerk von privaten Zahlungskanälen handelt, lassen sich genaue Daten nur unter grossem Aufwand durch die Betreiber solcher Kanäle aggregieren.

Grafik: Geschätztes monatliches Volumen im Lightning-Netzwerk | Quelle: River

Grafik: Geschätztes monatliches Volumen im Lightning-Netzwerk | Quelle: River

Fazit

Die hohe Bitcoin-Netzwerkaktivität ist ein wichtiges Signal, sollte aber nicht vorschnell als Beweis für breite Alltagsnutzung interpretiert werden. Der aktuelle Anstieg wird vor allem durch Mikrotransaktionen und datenbasierte Protokolle wie Runes, Ordinals und BRC-20-Anwendungen getragen. Das spricht für Experimentierfreude und neue Nutzungsmuster, aber nicht zwingend für höhere ökonomische Nachfrage nach Bitcoin-Transfers.

Für Bitcoin bleibt die zentrale Unterscheidung wichtig: Die Basisschicht dient als robustes Settlement-Fundament, während kleine und häufige Zahlungen langfristig eher auf zweite Ebenen wie Lightning gehören. 

Wichtige rechtliche Hinweise

WICHTIGE RECHTLICHE HINWEISE: Diese Publikation dient ausschliesslich Informations- und Marketingzwecken. Sie stellt keine Anlageberatung oder individuell-konkrete Anlageempfehlung dar. Sie ist kein Verkaufsprospekt und enthält weder eine Aufforderung noch ein Angebot oder eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten, Anlagedienstleistungen oder zur Vornahme sonstiger Transaktionen. Maerki Baumann & Co. AG erbringt keine Rechts- oder Steuerberatung und empfiehlt dem Anleger, bezüglich der Eignung von solchen Anlagen eine unabhängige Rechts- oder Steuerberatung einzuholen, da die steuerliche Behandlung von den persönlichen Verhältnissen des Kunden abhängt und stetigen Änderungen unterworfen sein kann. Maerki Baumann & Co. AG ist Inhaberin der Schweizerischen Bankbewilligung, die ihr durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) erteilt wurde. Bitte beachten Sie, dass Maerki Baumann & Co. AG keine Rechts- und Steuerberatung anbietet. Die obenstehenden Informationen dürfen nicht als solche betrachtet werden. Es handelt sich hierbei lediglich um eine initiale Einschätzung ohne Anspruch auf Vollständigkeit und Korrektheit. Für eine abschliessende und rechtskräftige Beurteilung bitten wir Sie einen Steuerexperten zu kontaktieren. 

Redaktionsschluss: 25. Juni 2026

Maerki Baumann & Co. AG
Dreikönigstrasse 6, CH-8002 Zürich
T +41 44 286 25 25, info@maerki-baumann.ch
maerki-baumann.ch | archip.ch

top