Crypto Market Update

Ist Bitcoin durch den Strategiewechsel der Miner bedroht?

Market Update: Warum Bitcoin-Miner verstärkt auf KI setzen

Market Update: Warum Bitcoin-Miner verstärkt auf KI setzen

Der Bitcoin-Preis hat sich seit dem Tief im Februar deutlich erholt und stieg zwischenzeitlich sogar über 80’000 US-Dollar. Für eine Entwarnung ist es aus unserer Sicht aber noch zu früh. Ein wichtiger Grund dafür ist die technische Ausgangslage: Bitcoin kämpft weiterhin mit dem gleitenden 200-Tagedurchschnitt. In früheren strukturellen Abwärtsphasen, etwa 2014 oder 2019, gelang es dem Preis zwar zeitweise, diese Marke zurückzuerobern. Nachhaltig war dieser Ausbruch damals aber jeweils nicht.
 
Mit der Unsicherheit im Preisbild werden innerhalb der Kryptoindustrie auch immer wieder Erklärungen gesucht. Ein gefundenes Fressen bietet aktuell die Bitcoin-Miner-Industrie. Diese sieht sich mit sinkenden Margen, steigendem Wettbewerbsdruck und der wachsenden Attraktivität von KI-Infrastruktur konfrontiert.

Trotz Preisanstieg wirkt die Kryptowelt angespannt. Wie ist die Stimmung in der Industrie?

Die jüngste Erholung bei Bitcoin ist grundsätzlich positiv. Dennoch sollte man sie nicht vorschnell als Beginn eines neuen bullischen Aufwärtstrends interpretieren. Entscheidend bleibt, ob Bitcoin die Zone rund um den gleitenden 200-Tagedurchschnitt nachhaltig zurückerobern kann.

Diese Marke gilt bei vielen Marktteilnehmern als wichtiger langfristiger Trendfilter. Solange Bitcoin darunter bleibt oder nur kurz darüber ausbricht, bleibt das technische Bild fragil. Genau deshalb ist die Stimmung in der Kryptoindustrie trotz der Erholung nicht euphorisch, sondern weiterhin vorsichtig.

Hinzu kommt, dass sich in der Mining-Industrie eine grössere strategische Verschiebung abzeichnet. Der Fokus vieler Unternehmen verschiebt sich weg vom reinen Bitcoin-Mining und hin zu KI- und Hochleistungsrechenzentren. Das verändert zwar nicht Bitcoin selbst, aber es zeigt, unter welchem wirtschaftlichen Druck klassische Mining-Geschäftsmodelle stehen.

Grafik: Bitcoin-Kurs seit dem Februartief mit gleitendem 200-Tagedurchschnitt und Widerstandszone um 80’000 bis 85’000 US-Dollar | Quelle: Checkonchain.com

Grafik: Bitcoin-Kurs seit dem Februartief mit gleitendem 200-Tagedurchschnitt und Widerstandszone um 80’000 bis 85’000 US-Dollar | Quelle: Checkonchain.com

Was geschieht gerade bei den Bitcoin-Minern?

Mehrere namhafte Bitcoin-Mining-Unternehmen richten ihre Infrastruktur stärker auf künstliche Intelligenz und Rechenzentren aus. Ein prominentes Beispiel ist MARA Holdings. Das in den USA börsenkotierte Unternehmen hat im ersten Quartal 2026 rund 20’880 Bitcoin verkauft. Das entspricht einem Gegenwert von rund 1,5 Mrd. US-Dollar.

Zudem hat MARA signalisiert, dass Anschaffungen neuer Bitcoin-Mining-Infrastruktur derzeit nicht im Fokus stehen. Stattdessen will das Unternehmen selektiver vorgehen und Kapital stärker dort einsetzen, wo die erwartete Rendite am attraktivsten ist. MARA steht mit dieser strategischen Ausrichtung nicht allein. Auch andere börsenkotierte Mining-Unternehmen prüfen, wie sie Stromverträge, Standorte und Rechenzentrumsinfrastruktur für KI-Anwendungen einsetzen können. Der Grund ist naheliegend: Bitcoin-Mining ist kapitalintensiv, zyklisch und operativ anspruchsvoll. Sinkende Margen, eine steigende Hashrate, volatile Bitcoin-Preise und die alle vier Jahre stattfindenden Halvings erhöhen den Druck auf die Geschäftsmodelle.

Aus Sicht vieler Miner ist der Schritt in Richtung KI deshalb weniger eine ideologische Abkehr von Bitcoin als vielmehr eine wirtschaftliche Reaktion. Rechenzentren für KI-Anwendungen versprechen derzeit stabilere und potenziell höhere Erträge als klassisches Mining.

Infografik: So hängen Hashrate, Mining-Schwierigkeit und Blockzeit zusammen | Quelle: Generiert durch ChatGPT

Infografik: So hängen Hashrate, Mining-Schwierigkeit und Blockzeit zusammen | Quelle: Generiert durch ChatGPT

Was ist eine Hashrate?

Die Hashrate misst die gesamte Rechenleistung, die Miner dem Bitcoin-Netzwerk zur Verfügung stellen. Vereinfacht gesagt zeigt sie, wie viele Rechenversuche pro Sekunde unternommen werden, um den nächsten gültigen Bitcoin-Block zu finden.

Eine höhere Hashrate bedeutet, dass mehr Rechenleistung im Netzwerk aktiv ist. Das stärkt grundsätzlich die Sicherheit, weil ein Angriff auf das Netzwerk entsprechend mehr Rechenleistung erfordern würde.

Sinkt die Hashrate, heisst das aber nicht automatisch, dass Bitcoin nicht mehr funktioniert. Das Netzwerk passt die Mining-Schwierigkeit regelmässig automatisch an. Ziel ist, dass weiterhin ungefähr alle zehn Minuten ein neuer Block gefunden wird.

Wie problematisch ist das? Ist Bitcoin dadurch bedroht?

Aus struktureller Sicht ist diese Entwicklung nicht überraschend. Bitcoin-Mining war schon immer ein hart umkämpftes Geschäft mit hoher Fluktuation. Wer zu hohe Stromkosten hat, ineffiziente Geräte betreibt oder zu stark fremdfinanziert ist, gerät in Phasen tieferer Bitcoin-Preise schnell unter Druck.

Für Bitcoin selbst ist der Strategiewechsel einzelner Miner deshalb nicht zwangsläufig problematisch. Im Gegenteil: In den vergangenen Jahren hat sich ein bedeutender Teil der globalen Hashrate bei grossen, börsenkotierten Mining-Unternehmen konzentriert. Wenn sich diese Konzentration wieder breiter verteilt, entspricht das eher dem Grundgedanken von Bitcoin und kann die Dezentralität des Netzwerks stärken.

Wichtig ist auch: Bitcoin wurde genau für solche Veränderungen gebaut. Wenn Miner aussteigen und die Hashrate sinkt, passt das Netzwerk die sogenannte Mining-Schwierigkeit automatisch an. Dadurch bleibt der grundlegende Rhythmus des Netzwerks erhalten.

Der Rückzug einzelner börsenkotierter Unternehmen aus dem reinen Mining ist deshalb kein Systemrisiko. Er ist Teil des Marktmechanismus. Kapital, Strom und Rechenleistung fliessen dorthin, wo sie aus wirtschaftlicher Sicht am sinnvollsten eingesetzt werden können. Das Bitcoin-Netzwerk selbst bleibt davon grundsätzlich unabhängig.

Fazit

Die jüngste Erholung bei Bitcoin ist real, aber noch nicht eindeutig bestätigt. Solange Bitcoin den gleitenden 200-Tagedurchschnitt nicht nachhaltig zurückerobert, bleibt Vorsicht angebracht.

Gleichzeitig zeigt der Strategiewechsel vieler Miner, dass sich die Kryptoindustrie weiter professionalisiert und wirtschaftlich neu sortiert. KI-Infrastruktur ist für viele Unternehmen derzeit attraktiver als klassisches Bitcoin-Mining. Für einzelne Mining-Geschäftsmodelle ist das eine Herausforderung. Für Bitcoin selbst ist es jedoch kein grundsätzliches Problem.

Das aktuelle Marktbild lässt sich deshalb so zusammenfassen: Bitcoin bleibt technisch in einer entscheidenden Zone, während sich die Mining-Industrie unter der Oberfläche neu ausrichtet. Für das Netzwerk ist diese Anpassung kein Bruch, sondern Ausdruck seiner eingebauten Widerstandsfähigkeit.

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Redaktionsschluss: 20. Mai 2026

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