Der digitale Franken sucht seinen Markt Stablecoins sind zu einem wichtigen Baustein der digitalen Finanzinfrastruktur geworden. Auch in der Schweiz wird 2026 wieder konkreter getestet, wie ein an den Franken gekoppelter Stablecoin funktionieren könnte. Der Durchbruch bleibt dennoch anspruchsvoll, denn Vertrauen in eine Währung ist nicht dasselbe wie Liquidität in einem digitalen Ökosystem. Zwischen Schweizer Stabilität und globalem NetzwerkeffektDer Schweizer Franken gilt weltweit als eine der verlässlichsten Währungen. Er steht für politische Stabilität, eine unabhängige Geldpolitik und einen Finanzplatz, der stark auf Vertrauen ausgerichtet ist. Auf den ersten Blick scheint er damit eine ideale Grundlage für einen Stablecoin zu sein, also für einen digitalen Token, dessen Wert möglichst eng an eine staatliche Währung gekoppelt ist.Trotzdem hat sich bisher kein breit genutzter, regulierter CHF-Stablecoin in der Schweiz durchgesetzt. Genau diese Spannung macht das Thema aktuell: Vom 23. bis 25. Juni 2026 findet in Zürich das Point Zero Forum statt, bei dem digitale Finanzinfrastruktur, Regulierung und Stablecoins prominent diskutiert werden. Zudem testen UBS, PostFinance, Sygnum, Raiffeisen, Zürcher Kantonalbank, BCV und Swiss Stablecoin AG seit April 2026 in einer Sandbox mögliche Anwendungsfälle für einen CHF-Stablecoin.Damit ist die Idee keineswegs erledigt. Doch die bisherige Entwicklung zeigt, dass ein digitaler Franken nicht allein deshalb erfolgreich wird, weil der analoge Franken glaubwürdig ist. Entscheidend sind Nachfrage, Handelsmöglichkeiten, Regulierung und ein klarer Nutzen für Anlegerinnen, Anleger und Unternehmen. Warum der Dollar den Stablecoin-Markt prägtDer globale Stablecoin-Markt ist klar vom US-Dollar geprägt. USDT und USDC werden weltweit als Handels-, Transfer- und Abrechnungseinheiten genutzt, weil auch der traditionelle Finanz- und Rohstoffhandel stark dollarzentriert ist. Wer im Kryptomarkt Liquidität sucht, denkt deshalb meist zuerst in Dollar.Der Schweizer Franken hat eine andere Rolle. Er ist international hoch angesehen, aber als Zahlungs- und Abrechnungswährung ausserhalb der Schweiz und einiger angrenzender Märkte deutlich kleiner. Für viele Nutzerinnen und Nutzer löst ein CHF-Stablecoin daher kein akutes Problem. Wer im Kryptomarkt kurzfristig Stabilität sucht, greift häufig zu einem Dollar-Stablecoin, selbst wenn der Franken aus Währungssicht als besonders solide gilt. Grafik: Der Stablecoin-Markt ist global stark dollarzentriert. Datenbasis: DefiLlama Liquidität entsteht nicht von selbstEin Stablecoin funktioniert nur, wenn er auch tatsächlich genutzt werden kann. Dazu braucht es Handelspaare auf Börsen, Anbindung an Plattformen, ausreichendes Volumen und Gegenparteien, die den Token akzeptieren. Ohne diese Liquidität bleibt selbst ein technisch sauberer Stablecoin für den Alltag im digitalen Finanzmarkt nur begrenzt nützlich.Hier entsteht ein klassisches Henne-Ei-Problem. Ohne Nutzerbasis gibt es wenig Liquidität; ohne Liquidität gibt es wenig Anreiz zur Nutzung. Nischenwährungen trifft diese Dynamik besonders stark. CHF-Stablecoin-Projekte müssen deshalb nicht nur Vertrauen schaffen, sondern auch ein Ökosystem aufbauen, in dem der Token regelmässig gebraucht wird.Regulierung als Qualitätsmerkmal und HürdeDie Schweiz gehört zu den fortschrittlichen Standorten für Blockchain- und Kryptoanwendungen. FINMA und Bundesrat haben in den vergangenen Jahren mehrfach klargestellt, dass Innovation möglich sein soll, aber innerhalb klarer rechtlicher Leitplanken. Dazu gehören Fragen zu Bewilligungen, Geldwäschereiprävention, Sanktionen, Einleger- beziehungsweise Kundenschutz und zur Rolle von Bankgarantien.Diese Klarheit ist ein Vorteil für seriöse Anbieter, weil sie Vertrauen schafft. Gleichzeitig erhöht sie den Aufwand für Emittenten. Ein CHF-Stablecoin ist kein einfaches Softwareprodukt, sondern bewegt sich im Kernbereich von Zahlungsverkehr, Finanzmarktregulierung und Reputationsschutz des Schweizer Finanzplatzes.Auch die EU-Regulierung MiCA ist relevant. Wer einen in der Schweiz domizilierten CHF-Stablecoin europaweit anbieten möchte, muss neben den Schweizer Anforderungen auch die europäischen Regeln berücksichtigen. Für Start-ups beispielsweise kann diese doppelte Komplexität den wirtschaftlichen Break-even eines Projekts deutlich erschweren. Was ist ein Stablecoin?Ein Stablecoin ist ein digitaler Token, dessen Wert möglichst stabil an einen Referenzwert gekoppelt sein soll, meist an eine staatliche Währung wie den US-Dollar, den Euro oder den Schweizer Franken. Bei einem CHF-Stablecoin soll ein Token in der Regel einem Franken entsprechen. Entscheidend ist jedoch, wie die Bindung abgesichert wird: etwa durch Reserven, Rückzahlungsrechte, Bankgarantien, Governance und regulatorische Aufsicht. Stablecoins sind keine risikofreien Bankguthaben und je nach Struktur auch kein gesetzliches Zahlungsmittel. Die SNB denkt institutionellEine weitere Besonderheit ist die Rolle der Schweizerischen Nationalbank. Die SNB prüft mit Project Helvetia, wie tokenisierte Vermögenswerte in Zentralbankgeld abgewickelt werden können. Im Fokus steht dabei vor allem eine Wholesale-CBDC, also digitales Zentralbankgeld für Finanzinstitute, nicht ein allgemein verfügbarer Stablecoin für Privatkundinnen und Privatkunden.Das ist ein wichtiger Unterschied. Ein privat emittierter CHF-Stablecoin ist kein gesetzliches Zahlungsmittel und ersetzt den Franken nicht. Er wäre eine privat ausgegebene digitale Forderung mit Frankenbezug. Je näher ein solcher Token funktional an Geld heranrückt, desto sorgfältiger werden Fragen nach Stabilität, Rückzahlungsanspruch, Reserven und Aufsicht.Vertrauen ist in der Schweiz schwer zu übertreffenIn vielen Ländern entstehen Stablecoin-Anwendungsfälle dort, wo das bestehende Finanzsystem teuer, langsam oder wenig verlässlich ist. In der Schweiz ist der Ausgangspunkt ein anderer. Bankdienstleistungen sind breit verfügbar, Zahlungen funktionieren effizient, und der Franken selbst gilt bereits als stabiler Wertmassstab.Ein privater CHF-Stablecoin muss deshalb nicht nur zeigen, dass er technisch funktioniert. Er muss auch einen Nutzen bieten, der über bestehende Lösungen hinausgeht. Für Privatkundinnen und Privatkunden ist dieser Nutzen bisher weniger offensichtlich als für professionelle Anwendungen, etwa bei tokenisierten Vermögenswerten, Abwicklungsprozessen oder grenzübergreifenden Zahlungen.Wo ein CHF-Stablecoin dennoch sinnvoll sein könnteEs gibt durchaus Anwendungsfälle. Unternehmen mit internationalen Lieferketten, Fintechs im grenzübergreifenden Zahlungsverkehr oder Plattformen für tokenisierte Vermögenswerte könnten von einem liquiden, regulierungskonformen CHF-Stablecoin profitieren. Auch für die Abwicklung zwischen digitalen Vermögenswerten und Franken-Liquidität kann eine solche Infrastruktur langfristig relevant werden.Die 2026 laufende Schweizer Sandbox ist deshalb ein wichtiger Schritt. Sie zeigt, dass etablierte Finanzinstitute das Thema nicht nur theoretisch beobachten, sondern konkrete Einsatzmöglichkeiten unter kontrollierten Bedingungen prüfen. Ob daraus ein breit nutzbares Produkt entsteht, hängt aber davon ab, ob die getesteten Anwendungsfälle gross und dringend genug sind, um die strukturellen Hürden zu überwinden. FazitDer Schweizer Franken bringt für einen Stablecoin eine starke Ausgangslage mit: Vertrauen, Stabilität und einen glaubwürdigen Finanzplatz. Gerade diese Stärken garantieren aber keinen Markterfolg. Stablecoins leben von Netzwerkeffekten, Liquidität und konkreter Nutzung.Der digitale Franken bleibt damit mehr als ein Gedankenspiel, aber weniger als ein Selbstläufer. Sein Durchbruch wird davon abhängen, ob sich ein Anwendungsfall entwickelt, der gross genug ist, um Regulierung, Infrastruktur und Marktakzeptanz zusammenzubringen. Bis dahin bleibt der analoge Franken, was er seit Generationen ist: ein stabiler Wertmassstab in einem zunehmend digitalen Finanzsystem. Autor: Pascal HügliPascal Hügli, Crypto Investment Manager bei Maerki Baumann und Gründer von Insight DeFi, produziert hochwertige Inhalte zu Bitcoin und Krypto und trägt damit auch zur Entwicklung von Maerki Baumann im Bereich der Blockchain- und Kryptowährungen bei. Als Dozent für digitale Finanzen und Krypto-Assets an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich verfügt er über fundiertes Fachwissen auf diesem Gebiet, das er nun auch für die Etablierung unserer Marke «ARCHIP by Maerki Baumann» einbringt. Wichtige rechtliche HinweiseDiese Publikation dient ausschliesslich Informations- und Marketingzwecken. Sie stellt keine Anlageberatung oder individuell-konkrete Anlageempfehlung dar. Sie ist kein Verkaufsprospekt und enthält weder eine Aufforderung noch ein Angebot oder eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten, Anlagedienstleistungen oder zur Vornahme sonstiger Transaktionen. Maerki Baumann & Co. AG erbringt keine Rechts- oder Steuerberatung und empfiehlt dem Anleger, bezüglich der Eignung von solchen Anlagen eine unabhängige Rechts- oder Steuerberatung einzuholen, da die steuerliche Behandlung von den persönlichen Verhältnissen des Kunden abhängt und stetigen Änderungen unterworfen sein kann. Maerki Baumann & Co. AG ist Inhaberin der Schweizerischen Bankbewilligung, die ihr durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) erteilt wurde. Bitte beachten Sie, dass Maerki Baumann & Co. AG keine Rechts- und Steuerberatung anbietet. 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