Bitcoin nach dem Höhenflug

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Bitcoin nach dem Höhenflug

Bitcoin: Kein Sommerloch, dafür Rotation – Was der September bringen könnte

Historisch hat Bitcoin in Post-Halving-Jahren oft grosse Kurssprünge hingelegt. Die ganz grosse Preisexplosion blieb bisher aus. Seit Jahresbeginn liegt Bitcoin per 3. September bei rund 17 bis 18 Prozent im Plus. Steht das eigentliche Feuerwerk also noch aus?

Keine Sommerflaute

Mitte Juli schoss der Bitcoin-Kurs innert weniger Tage auf fast USD 120’000, Mitte August markierte die dominante Kryptowährung sogar ein neues Allzeithoch von über USD 124’000. In den sozialen Medien entfachte derweil die Euphorie, Bitcoin könnte bald USD 150’000 erreichen. Entsprechend nahmen Long-Positionen zu – gerade auch Privatanlegerinnen und Privatanleger wetteten vermehrt mit Hebel auf weiter steigende Kurse.

Allzeithoch auf «Pump»

Die erwartete positive Preisentwicklung im Spätsommer blieb jedoch aus. Und das mit gutem Grund. Wer die Kapitalzuflüsse bei Bitcoin betrachtet, erkennt: Während das Netzwerk kurzfristiges Wachstum verzeichnete (rote Linie in Abbildung 1), blieben Neuzuflüsse mehrheitlich verhalten – die Liquidität nahm im Verlauf des Augusts teilweise sogar ab (blaue Linie in Abbildung 1).

Abbildung 1: Rot zeigt das Netzwerkwachstum bei Bitcoin, blau zeigt die Kapitalzuflüsse in Bitcoin. Quelle: Swissblock

Abbildung 1: Rot zeigt das Netzwerkwachstum bei Bitcoin, blau zeigt die Kapitalzuflüsse in Bitcoin. Quelle: Swissblock

Aus fundamentaler Sicht ist eine solche Entwicklung mit Vorsicht zu geniessen. Fliesst netto kaum neues Kapital in Bitcoin, tut sich der Markt schwer, Preise auf neuem Niveau länger zu halten. Das Wachstum im Netzwerk dürfte in dieser Phase vor allem mit dem vermehrten Auftreten von Spekulantinnen und Spekulanten zusammenhängen, die Long-Positionen eröffneten und auf schnelle Profite setzten.

Die Nachfrage schwächelt

Dass gegenwärtig weniger frisches Kapital in Bitcoin fliesst, zeigen auch Bitcoin-Treasury-Firmen und Bitcoin-ETFs. Seit Ende Juli hielten sich Zuflüsse und Abflüsse in die grossen Spot-ETFs überwiegend die Waage – Tage mit Plus und Minus wechselten sich ab.

Abbildung 2: Ab- und Zuflüsse aus und in die Bitcoin-ETFs halten sich im August in etwa die Waage. Quelle: Coinglass

Abbildung 2: Ab- und Zuflüsse aus und in die Bitcoin-ETFs halten sich im August in etwa die Waage. Quelle: Coinglass

Was die Zahl der Bitcoin-Treasury-Firmen betrifft, so ist diese weiter steigend: Es gibt mittlerweile über 170 börsenkotierte Unternehmen, die Bitcoin auf der Bilanz halten. Die aufgestockten Bestände dieser Firmen betragen seit dem ersten Juli bis Ende August 147'895 bitcoins. Wichtig: Einige neu gegründete Treasury-Vehikel – etwa die Bitcoin Standard Treasury Company rund um den Kryptografen Adam Back – erhielten einen grossen Teil ihrer Bestände als eingebrachtes Seed-Kapital von bestehenden Grosshalterinnen und Grosshaltern (sogenannten Walen). Das ist kein Neugeld, sondern bereits langfristig gehaltener Bestand, der in eine Firmenstruktur überführt wurde.

Die grosse Rotation

Ein weiterer Grund für die jüngste Bitcoin-Schwäche ist die anhaltende Kapitalrotation von Bitcoin in Ether. Erstmals in diesem Bullenmarktzyklus absorbierte Ether phasenweise mehr Fiat-Kapital als Bitcoin (Abbildung 3). 

Abbildung 3: Die orange Fläche zeigt die Kapitalrotation in Bitcoin. Die blaue Fläche zeigt die Kapitalrotation in Ether. Wie schon in Spätphasen früherer Bullenzyklen (2017, 2021) ist die Rotation in Ether aktuell höher als jene in Bitcoin. Quelle: Checkonchain

Abbildung 3: Die orange Fläche zeigt die Kapitalrotation in Bitcoin. Die blaue Fläche zeigt die Kapitalrotation in Ether. Wie schon in Spätphasen früherer Bullenzyklen (2017, 2021) ist die Rotation in Ether aktuell höher als jene in Bitcoin. Quelle: Checkonchain

Exemplarisch sorgte ein Bitcoin-Wal für Aufsehen: Innerhalb von nur fünf Tagen tauschte dieser Akteur über die dezentrale Börse Hyperliquid rund BTC 22’000 im Wert von über USD 2 Milliarden in ETH und hält nun etwa ETH 545'000 – das entspricht rund 0,45 Prozent des gesamten Ether-Angebots. Somit gehört er zu den grössten Einzelhaltern weltweit; er besitzt mehr Ether als Kryptobörsen wie Bybit, Bitstamp und mehr als doppelt so viel wie der Gründer von Ethereum, Vitalik Buterin.

September-Saisonalität im Anmarsch

Was Anlegerinnen und Anleger ebenfalls beschäftigt, sind die saisonal milden Aussichten für den September. Der Monat ist historisch schwach – auch für Risikoanlagen wie Aktien. In jedem Post-Halving-Jahr (2013, 2017, 2021) verzeichnete Bitcoin im September eine negative Monatsperformance.

Abbildung 4: Bitcoin performt im September für gewöhnlich eher negativ. Wird das auch dieses Mal wieder der Fall sein? Quelle: Coinglass

Abbildung 4: Bitcoin performt im September für gewöhnlich eher negativ. Wird das auch dieses Mal wieder der Fall sein? Quelle: Coinglass

Die Ursachen sind nicht monokausal, sondern eine Mischung aus strukturellen, psychologischen und makroökonomischen Faktoren. Ein Teil wirkt inzwischen wie eine selbsterfüllende Prophezeiung: Viele Marktteilnehmende erwarten Verluste – und handeln entsprechend.

Dazu kommen strukturelle sowie makroökonomische Gründe. In den USA endet am 30. September für viele Fonds das Fiskaljahr. Um Verluste zu realisieren oder Gewinne zu sichern, werden Positionen geschlossen – zusätzlicher Verkaufsdruck. Auffällig ist zudem eine Trockenperiode bei Aktienrückkäufen im September (Blackout-Phase). Diese Rückkäufe bilden normalerweise ein konstantes Grundrauschen; fallen sie vorübergehend aus, versiegt eine wichtige Nachfragequelle. Ebenfalls relevant ist die vorgesehene Aufstockung des Treasury General Accounts (TGA) – des «Bankkontos» der US-Regierung – auf rund USD 850 Milliarden bis Monatsende. Das bindet Liquidität, worauf Bitcoin als Liquiditätsbarometer tendenziell sensibel reagiert.

Altcoin-Season in Sicht?

Angesichts der Rotation in Ethereum und der verhaltenen September-Aussichten ist nachvollziehbar, dass der Bitcoin-Preis derzeit zu kämpfen hat. Noch notiert der Kurs oberhalb der durchschnittlichen Einkaufsschwelle der Kurzfristhalter, die bei knapp USD 109’000 liegt. Solange die Bullen dieses Level verteidigen, bleibt der positive Trend intakt. Die Rotation weg von Bitcoin drückt zudem die Bitcoin-Dominanz – wenngleich eine kurzfristige Erholung im September nicht ausgeschlossen ist.

Zieht der Krypto-Markt im vierten Quartal wieder an – historisch nicht unüblich, da die letzten Monate des Jahres oft als günstige Phase gelten – könnte sich eine anhaltende Outperformance von Ether und möglicherweise auch anderen Altcoins abzeichnen.

Damit sich eine sogenannte Altcoin-Season entfalten kann, braucht es im Wesentlichen folgende «Zutaten»:

  • Stabiler Bitcoin-Preis
  • Kapitalrotation in Altcoins
  • Vorangegangene relative Stärke von Ethereum
  • Wachsendes Ökosystem bei anderen Coins (zunehmende TVL-Zuflüsse)

Ob all diese Faktoren zusammentreffen werden, bleibt abzuwarten. Gegenwärtig stehen die Chancen jedoch nicht schlecht.

Pascal Hügli

Autor: Pascal Hügli

Pascal Hügli, Crypto Investment Manager bei Maerki Baumann und Gründer von Insight DeFi, produziert hochwertige Inhalte zu Bitcoin und Krypto und trägt damit auch zur Entwicklung von Maerki Baumann im Bereich der Blockchain- und Kryptowährungen bei. Als Dozent für digitale Finanzen und Krypto-Assets an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich verfügt er über fundiertes Fachwissen auf diesem Gebiet, das er nun auch für die Etablierung unserer Marke «ARCHIP by Maerki Baumann» einbringt.

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Redaktionsschluss: 3. September 2025

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