Bitcoin ist nicht nur eine weitere Tech-Aktie

Bitcoin ist nicht nur eine weitere Tech-Aktie

Bitcoin ist nicht nur eine weitere Tech-Aktie

Warum Bitcoin nicht mit Apple & Co. vergleichbar ist

Bitcoin wird häufig mit risikoreichen Anlagen wie Tech-Aktien in einen Topf geworfen, insbesondere mit den sogenannten Magnificent 7 (Apple, Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla). Auf den ersten Blick scheint dies gerechtfertigt zu sein. Bitcoin ist eine neue digitale Technologie, die das Geld- und Finanzwesen revolutionieren soll. Zudem entspricht die Kursentwicklung von Bitcoin der Volatilität von Aktien mit hohem Wachstum.

Ein quantitativer Deep Dive jenseits gängiger Narrative

Dieser Vergleich hinkt jedoch. Dabei wird übersehen, dass Bitcoin keine Unternehmensbeteiligung darstellt, sondern ein dezentraler monetärer Vermögenswert ohne Management, ohne Einnahmequelle und ohne Unternehmensrisiko. Im Gegensatz zu Technologieunternehmen, deren Performance von Gewinnen, Innovationszyklen oder der Leistung von Führungskräften abhängt, funktioniert Bitcoin nach einem festen, deterministischen monetären Prinzip - einem globalen, öffentlichen, quelloffenen Protokoll mit einem Vermögenswert, der auf absolute Knappheit ausgelegt ist.

Obwohl sich Bitcoin in bestimmten Umgebungen wie ein risikoreicher Vermögenswert verhält, verdienen seine grundlegenden Eigenschaften und sein langfristiges Verhalten eine genauere Betrachtung. Um der Behauptung nachzugehen, Bitcoin sei «nur eine weitere Tech-Aktie», ziehen wir quantitative Finanz-Tools zur Messung von Risiko, Korrelation und Renditeeigenschaften zu Hilfe.

Narrativ auf dem Prüfstand

Wir analysieren Bitcoin und die einzelnen Mag7-Aktien anhand von vier gängigen Finanzkennzahlen:

  • Sortino-Verhältnis: Risikobereinigter Gewinn einer Geldanlage
  • Korrelation: Lineare Wertentwicklung im Verhältnis zu anderen Vermögenswerten
  • R²: Exponierung gegenüber systemischen (Markt-)Risiken
  • Batting Average: Häufigkeit und Ausmass der Outperformance gegenüber dem Benchmark

Diese mehrdimensionale Analyse bietet einen weitaus differenzierteren Blick als reine Kursvergleiche.

Sortino-Verhältnis: Risikobereinigte Renditen

Das Sortino-Verhältnis berücksichtigt nur Abweichungen nach unten und gibt an, wie gut ein Vermögenswert Anleger für negative Volatilität entschädigt. Dies ist insbesondere bei Vermögenswerten mit einer signifikanten asymmetrischen Renditeverteilung relevant, wie sie auch bei Bitcoin zu beobachten ist. 

Vermögenswert

Sortino-Verhältnis*

Bitcoin

~1,6

Nvidia

~1,8

Microsoft

~1,5

Alphabet

~1,4

Meta

~1,4

Amazon

~1,3

Apple

~1,5

Tesla

~1,1

*3 Jahre, monatliche Rendite | Quelle: Bloomberg & Tradingview

Angesichts des kometenhaften Aufstiegs von Bitcoin entspricht das Sortino-Verhältnis dem von führenden, wachstumsstarken Tech-Titeln, insbesondere, wenn man die massiven Aufwärtsbewegungen in Schlüsselperioden (z.B. Q4 2020, Q1 2021, Q4 2023) berücksichtigt. Dies deutet darauf hin, dass die Volatilität von Bitcoin nicht willkürlich ist, sondern dass sie asymmetrische Renditen bietet, die mit denen von Spitzenaktien vergleichbar sind.

Korrelation: Bewegung mit dem Markt

Als nächstes betrachten wir die rollierenden 100-Tage-Korrelationen zwischen Bitcoin und den einzelnen Mag7-Titeln, basierend auf deren täglichen Renditen. Die Korrelation misst, inwieweit sich Bitcoin mit den Tech-Werten im Gleichschritt bewegt.

Bitcoin gegen ...

Nachlaufende 100T-Korrelation

Nvidia

~0,83

Microsoft

~0,93

Alphabet

~0,61

Meta

~0,70

Amazon

~0,67

Apple

~0,89

Tesla

~0,90

Quelle: Bloomberg & Tradingview

Wie wir sehen, sind die Korrelationen von Bitcoin denen innerhalb der Mag7-Gruppe recht ähnlich. Die Korrelation zwischen den einzelnen Technologieaktien ist jedoch oft noch höher (z.B. Microsoft/Apple: ~0,94; Nvidia/Tesla: ~0,91). Dies deutet auf den potenziellen Diversifizierungswert von Bitcoin hin und bietet Chancen hinsichtlich der Wachstumsdynamik, ohne dabei vollständig dem typischen Aktienmarktrisiko (Beta) zu unterliegen.

R²: Wie stark ist Bitcoin vom allgemeinen Markt getrieben?

R² quantifiziert, in welchem Ausmass die Renditeschwankungen eines Vermögenswerts durch einen Benchmark (z.B. NASDAQ 100) erklärt werden. Ein niedrigerer R²-Wert deutet auf ein stärker idiosynkratisches Verhalten hin.

Vermögenswert

R² vs. NASDAQ *

Bitcoin

~0,24

Nvidia

~0,86

Microsoft

~0,82

Alphabet

~0,79

Meta

~0,76

Amazon

~0,82

Apple

~0,84

Tesla

~0,74

*3 Jahre, monatliche Erträge | Quelle: Bloomberg & Tradingview

Dies ist ein entscheidender Punkt, der den Unterschied ausmacht. Der niedrige R²-Wert von Bitcoin zeigt, dass 76 % seiner Kursbewegungen nicht durch das Verhalten des Aktienmarktes erklärt werden können. Dies steht im starken Kontrast zu den Mag7, deren R²-Werte auf eine erhebliche Abhängigkeit von marktweiten Faktoren hindeuten.

Dies bestätigt die Makrothese, dass Bitcoin nicht auf der Grundlage von wirtschaftlichen Fundamentaldaten, sondern von Liquidität, monetären Erwartungen und Adoptionszyklen gehandelt wird. Tatsächlich ähnelt Bitcoin eher einer Option auf monetäre Entwertung als einem Indikator für zukünftige Cashflows.

Batting Average: Asymmetrische Auszahlungen und konvexe Ertragsprofile

Der Batting Average misst die Häufigkeit der Outperformance, nicht jedoch deren Ausmass. Für Bitcoin ist diese Unterscheidung wichtig.

Vermögenswert

Batting Average vs. NASDAQ *

Bitcoin

~0,54

Nvidia

~0,65

Microsoft

~0,61

Alphabet

~0,57

Meta

~0,56

Amazon

~0,50

Apple

~0,60

Tesla

~0,55

*3 Jahre, monatliche Erträge | Quelle: Bloomberg & Tradingview

Obwohl Bitcoin den NASDAQ nur etwa 54 % der Zeit übertrifft, ist die Outperformance von Bitcoin tendenziell explosiv, was auf Konvexität hindeutet. Beispiele:

  • Dezember 2020: Bitcoin stieg um 59,5 % (von ~18’440 USD auf ~29’410 USD), während der NASDAQ nur 3,95 % zulegte. Diese Rally folgte auf eine starke geldpolitische Lockerung und positionierte Bitcoin als Makro-Hedge.
  • Februar 2021: Bitcoin stieg um 43,8 % (von ~34’510 USD auf ~49’640 USD), während der NASDAQ praktisch unverändert blieb (+0,36 %). Obwohl steigende Anleiherenditen Tech-Aktien belasteten, stieg der BTC im Wert, nachdem Tesla Bitcoin im Wert von 1,5 Mrd. US-Dollar erwarb und Berichte über eine zunehmende Akzeptanz veröffentlicht wurden.
  • Oktober 2023: Bitcoin stieg um 26,6 % (von ~27’860 USD auf ~35’440 USD), während der NASDAQ um 1,19 % nachgab. Der Optimismus im Zusammenhang mit der Zulassung von US-Spot-ETFs sowie zinsfreundliche Kommentare der Zentralbank lösten einen liquiditätsgetriebenen Ausbruch von Bitcoin aus.
  • Februar 2024: Bitcoin legte um 44,1 % zu (von ~42’350 USD auf ~61’000 USD), während der NASDAQ um 5,6 % stieg. Die Rally wurde durch starke Zuflüsse in ETFs und makroökonomische Umschichtungen in Sachwerte angesichts erneuter Inflationssorgen angetrieben.

Auf der Negativseite sind die Rückgänge zwar unbestreitbar drastisch (z.B. -60 % im Jahr 2022), doch oft folgen darauf schnelle Erholungen. So erholte sich der Bitcoin-Kurs von den Tiefstständen im November 2022 (~16’000 USD) bis Anfang 2024 um über 270 %.

Dieses asymmetrische Auszahlungsprofil unterscheidet Bitcoin von den eher linearen Tech-Performern. Es geht nicht nur um die Häufigkeit der Outperformance, sondern auch um das Ausmass der Anstiege, wenn Bitcoin einen Lauf hat. Das macht ihn in einem Portfoliokontext strukturell einzigartig.

Schlussfolgerung: Bitcoin hebt sich ab - und das ist nachvollziehbar

Trotz statistischer Ähnlichkeiten bei einigen Kennzahlen (Sortino, Korrelation) bestätigt das Gesamtbild, dass Bitcoin nicht einfach ein weiterer Tech-Wert ist. Sein niedriges R² und sein asymmetrisches Outperformance-Muster (Batting Average) zeigen, dass er sich unabhängig und oft heftig auf der Grundlage globaler makroökonomischer und monetärer Themen bewegt.

Dies sollte nicht überraschen:

  • Bitcoin ist kein Unternehmen. Es gibt keine Gewinn- und Verlustrechnung, keine Mitarbeiter und kein Führungsteam.
  • Es handelt sich um einen digitalen Inhaberwert mit festem Angebot, der durch kryptografischen Konsens wirksam wird und kein traditionelles Gegenparteirisiko beinhaltet.
  • Bitcoin ist so konzipiert, dass er in einem moderat inflationären Umfeld oder bei Kapitalverkehrskontrollen nicht anfällig ist - eine Eigenschaft, die Tech-Aktien nicht bieten können.

In einer Welt, in der die Themen Geldentwertung, Staatsausfallrisiko und geopolitische Fragmentierung zunehmen, stellt Bitcoin eine nichtstaatliche monetäre Anlageklasse und nicht einen digitalen Aktienersatz dar. Die Zahlen bestätigen dies: Bitcoin ist keine Tech-Aktie. Vielmehr handelt es sich um ein neues Phänomen unter den Finanzanlagen.

Pascal Hügli

Autor: Pascal Hügli

Pascal Hügli, Crypto Investment Manager bei Maerki Baumann und Gründer von Insight DeFi, produziert hochwertige Inhalte zu Bitcoin und Krypto und trägt damit auch zur Entwicklung von Maerki Baumann im Bereich der Blockchain- und Kryptowährungen bei. Als Dozent für digitale Finanzen und Krypto-Assets an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich verfügt er über fundiertes Fachwissen auf diesem Gebiet, das er nun auch für die Etablierung unserer Marke «ARCHIP by Maerki Baumann» einbringt.

Wichtige rechtliche Hinweise

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Redaktionsschluss: 11. Juli 2025

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